BitMEX wird wegen mutmaßlicher Schlägereien und umfangreicher illegaler Aktivitäten verklagt

18.5.2020 | 15:35

BitMEX und seine Führungskräfte wurden beschuldigt, an Verbrechen wie Erpressung, Geldwäsche, Überweisungsbetrug und unlizenziertem Geldtransfer beteiligt gewesen zu sein oder diese zu unterstützen.

BitMEX, eine der weltgrößten Börsen für Krypto-Derivate, wurde vor Gericht beschuldigt, „von Grund auf absichtlich so konzipiert worden zu sein“, um „eine Unzahl illegaler Aktivitäten“ zu erleichtern.

Die Anschuldigungen wurden in einer wichtigen neuen Klage erhoben, die von BMA LLC am 16. Mai beim United States District Court for the Northern District of California eingereicht wurde.

Der Kläger wirft der Muttergesellschaft von BitMEX, HDR Global Trading, und den leitenden Angestellten der Börse – Arthur Hayes, Ben Delo und Samuel Reed – vor, an mehreren Verbrechen beteiligt gewesen zu sein oder Beihilfe zu leisten, darunter Erpressung, Geldwäsche, Überweisungsbetrug und Betrieb eines nicht lizenzierten Geldüberweisungsgeschäfts.

In der Klage wird behauptet, dass die Angeklagten in „unverschämter, gesetzloser Weise“ an diesen illegalen Aktivitäten und einer Reihe anderer beteiligt gewesen seien, deren Ausmaß angeblich „wirklich erschütternd“ sei.

Handelshebel für Bitcoin

Warum wird der Fall in Kalifornien verfolgt?

BMA LLC behauptet, dass die Führungskräfte von BitMEX trotz ihrer Widerlegungen enge Verbindungen zu den USA und dem Northern District of California unterhalten. Der Kläger beruft sich auf mehrere Quellen, die dem Unternehmen angeblich nahe stehen und die zuvor gegenüber den Medien offengelegt haben, dass fast 15 % des Handelsvolumens von BitMEX im Jahr 2019 im Wert von rund 138 Milliarden US-Dollar auf US-Händler entfallen.

Dies bedeutet, dass die eigenen Daten der Börse angeblich darauf hindeuten, dass sie täglich durchschnittlich 3 Milliarden Dollar an Geldüberweisungen verarbeitet hat, ohne in den USA als Geldüberweisungsunternehmen lizenziert zu sein.

Dies stellt „das Rekordvolumen für solche ungesetzlichen Aktivitäten in der gesamten Geschichte der Währungsregulierung in den Vereinigten Staaten“ dar, behauptet der Kläger.

Die Muttergesellschaft HDR Global Trading – deren Name angeblich ein Akronym für Hayes, Delo und Reed ist – ist angeblich auf den Seychellen gelistet. Der Kläger stellt fest, dass Hayes, als er gefragt wurde, warum das Unternehmen in dem Land gegründet wurde, öffentlich behauptete:

„‚Die Seychellen sind billiger zu bestechen als [die Vereinigten Staaten]‘, und als er gefragt wurde, wie viel er den Seychellen zahlen müsse, um BitMEX dort zu registrieren, sagte er ‚eine Kokosnuss‘.

Andere Behauptungen – Platz erlaubend

BMA LLC beschuldigt die Angeklagten der Verschwörung zur Durchführung des Geschäfts durch ein „Muster von Erpressungsaktivitäten“ und der Beteiligung an Marktmanipulationen mit Kryptogeldern, Drahtbetrug, betrügerischen Geschäften und zahlreichen anderen illegalen Machenschaften.

In der Klage wird festgestellt, dass BitMEX Händlern einen extrem hohen Handelshebel (100-fach) für hochliquide Derivate bietet, die angeblich auf der Grundlage von Preisen von „zwei oder drei illiquiden Kassabörsen“ berechnet werden.

Die Börse ermöglicht es angeblich Manipulatoren und Geldwäschern, illegal zu operieren, indem sie ihnen erlaubt, eine unbegrenzte Anzahl anonymer und ungeprüfter Konten zu eröffnen, ohne Handels- oder Abhebungslimits.

Das Dokument behauptet, dass BitMEX absichtlich Server einfriert und betrügerische „Systemüberlastung“-Ereignisse benutzt, um bestimmte Handelsaufträge während volatiler Marktbedingungen anzunehmen oder abzulehnen, um Preisschwankungen zu verstärken und maximale Liquidationen auszulösen.

All dies macht BitMEX angeblich „zu einem exquisiten ‚Designer‘-Werkzeug für unappetitliche Akteure zur Manipulation von Krypto-Währungsmärkten“.

Die Klage weist ferner darauf hin, dass die Beklagten nach mehrmaligem Abstreiten selbst zugegeben haben, dass die Börse ein eigenes gewinnorientiertes Handelsdesk betreibt, das auf der Plattform angeblich gegen die eigenen Kunden von BitMEX handelt und Insider-Informationen über die bestehenden Handelspositionen seiner Kunden nutzt.

Die vollständigen Details zu den umfangreichen Vorwürfen umfassen über 100 Seiten.

Jüngste Kontroversen

Wie kürzlich berichtet, hat BitMEX seit dem historischen Marktabsturz im März dieses Jahres sowohl beim offenen Interesse als auch beim Volumen für Bitcoin (BTC)-Futures weiter verloren und hatte Mühe, seinen Marktanteil gegen Konkurrenten wie Binance Futures zu verteidigen.

Nach dem so genannten Crash am Schwarzen Donnerstag erlebte BitMEX zwischen dem 13. März und dem 9. April einen Rückgang der BTC-Bestände auf der Plattform um fast 40%.

Kontroversen umgaben zwei DDoS-Angriffe, die zu Ausfallzeiten an der Börse führten und einige Branchenakteure sogar dazu veranlassten, die Börse dafür verantwortlich zu machen, dass Bitcoin im März ein mehrmonatiges Tief erreichte.

BitMEX war auch eine der sieben Kryptofirmen, die in eine Reihe neuer Klagen wegen angeblicher Verstöße gegen US-Wertpapiergesetze verwickelt waren.

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